Staunen. Erforschen. Lernen. Schmetterlinge und Marienkäfer aufziehen.

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Ich glaube, in einem anderen Leben wäre ich Biologielehrerin geworden. Hätte es niemals die Anwaltsserie „Ally McBeal“ gegeben und wäre da nicht mein Hang zur Rechthaberei – ja, ich glaube, dann würde ich mich heute vielleicht nicht mit Rechtsnormen auskennen, sondern vor Kindern in einer Klasse stehen und etwas über die Photosynthese erzählen. Oder so. Was ich eigentlich damit sagen will, ist, dass es mir Spaß macht meinen Kindern Kreisläufe in der Natur näher zu bringen. Ich staune immer noch genauso wie sie über die Schönheit und die Wunder in der Natur. Ich bin immer noch neugierig. Ich lerne immer dazu. Und ich erfreue mich an der Existenz jedes Lebewesens (vielleicht Steckmücken ausgenommen).

Jedes Jahr, versuchen meine Kinder und ich, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, den Lebens-, und Entwicklungszyklus verschiedener Tiere mitzuerleben. Zum Beispiel wenn die Kaulquappen im Seitenarm des Baches sich in Frösche verwandeln oder die Amseln direkt unter dem Balkon nisten und uns so einen Einblick in ihr Nest gewähren.

Das ist natürlich vergleichsweise einfach, wenn man einen eigenen Garten hat und das Naturschutzgebiet hinter dem Haus liegt. Es gibt aber auch zwei Tierarten, die bei Kindern einen dicken Stein im Brett haben und die man recht einfach und ohne Garten oder spezielle Vorkenntnisse bei ihrer Entwicklung beobachten kann!

Schmetterlinge.

Wenn man wissen will, wie die „Raupe Nimmersatt“ zu ihrem Namen kam, dann kann man entweder auf Raupensuche gehen oder sich Raupen im Internet bestellen. Jeder Schmetterlingsart hat besondere Nahrungsvorlieben, so findet man beispielsweise den Kohlweißling (allein schon dem Namen nach) auf den Pflanzen der Kohlfamilie (bei uns immer gerne auf dem Weißkohl und dem Brokkoli). Die Brennessel als Futterpflanze bevorzugen gleich mehrere Arten, unter anderem der kleine Fuchs, das Tagpfauenauge und das Landkärtchen. Begibt man sich bei diesen Pflanzen auf die Suche, wird man oft fündig. Dann braucht man neben den Raupen eigentlich nur ein oder besser mehrere Gläser (z.B. Einmachgläser) mit Luftlöchern im Deckel und Raupenfutter (das ist die Pflanze auf der die Raupe gesessen und gefressen hat).  Sobald die Blätter abgenagt sind, wird frisches Futter eingestellt. Das ist so etwa jeden zweiten Tag notwendig. Am besten hält man sich ein zweites Glas, wie oben bereits beschrieben, bereit und tauscht dieses mit dem jeweils vorher verwendeten. So kann man den Futterwechsel völlig problemlos außerhalb des Zuchtbehälters vorbereiten und das zuvor benutzte Glas gut reinigen (fast genau so viel wie die Raupe vorne frisst, kommt hinten auch wieder heraus).  Je nachdem wie groß die Raupen beim Einsammeln oder beim Kauf waren, werden diese sich schon nach wenigen Tagen verpuppen oder bis zu 2-3 Wochen enorm viel fressen und wachsen. Für die Verpuppung brauchen die Raupen ein Ästchen im Glas. Wenn sich alle Raupen zur Verpuppung zurückgezogen haben, sind Futterbeschaffung und Futtertausch erledigt und die Puppen ziehen in ein größeres Behältnis um. Bestellt man im Internet ein Schmetterlingsanzuchtsset, befindet sich dort so eine mit Netz bespannte Rolle, die ein wenig an die Ikea-Spielzeugaufbewahrung „Fängst“ erinnert. Wir hatten die Puppen immer in einer Anzuchtshaube für Gemüse untergebracht (und alle Luftlöcher geöffnet). Die Verwandlung von Puppe in Schmetterling dauert etwa 8-12 Tage, je nach Art. Man muss also den Zuchtbehälter stets im Auge behalten (was die Kinder aber sowieso machen), denn, wie gesagt, schon nach gut einer Woche können die ersten Schmetterlinge schlüpfen. Sobald sich ein Schmetterling aus der Puppe zwängt, ist erst einmal Ruhe angesagt. Die Falter sind in diesem Stadium am empfindlichsten gegen Störungen, die Flügel noch nicht fähig zum Fliegen. Nach ein paar Stunden kann man die Schmetterlinge, so fern das Wetter dafür geeignet ist, in die Freiheit entlassen (bei uns immer mit den Worten „habt ein tolles Leben“ :-)).

Eine Schmetterlingsanzuchtsset mit Anleitung und fünf Raupen kann man unter anderen hier bestellen.

Marienkäfer.

Den Liebling unter den Käfern (vielleicht vom im Rheinland äußerst raren Maikäfer mal abgesehen) kann man auch ohne Probleme aufziehen. Entweder man hat von Läusen befallen Pflanzen an denen früher oder später Marienkäfer auftauchen und sich vermehren oder aber man bestellt die Larven über das Internet. Denn Marienkäfer sind nicht nur als Glücksbringer bekannt, sondern auch als Nützling im Garten und werden speziell für den privaten und gewerblichen Pflanzenanbau gezüchtet (Marienkäfer fressen wohl bis zu 50 (!) Blattläuse am Tag). Spannend zu sehen ist für die Kinder, dass die Larven sich auf ihrem Weg zum fertigen Käfer drei- bis viermal häuten und ihr Erscheinungsbild wechseln bis sie sich verpuppen. In unserem Garten hatten wir die letzten Jahre fast ausschließlich den asiatischen Marienkäfer; lässt man sich Larven schicken, bekommt man (in der Regel) die des einheimischen 2-Punkt-Marienkäfers geliefert, die sich dann sofort an die Arbeit machen und direkt zu den Blattläusen gesetzt werden. Möchte man aber die Larven im Haus aufziehen, empfiehlt sich ein Marienkäfer-Aufzuchtsset. Ein besonders kindgerechtes habe ich zum Beispiel hier gesehen.

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Für meine Kinder war es immer sehr spannend (und für mich ebenfalls) die Tiere hautnah zu beobachten und sie haben sehr schnell die Verantwortung für die kleinen Wesen übernommen. Der Abschied, die Entlassung in die Freiheit fiel ihnen nicht immer leicht, aber ich war ehrlich gesagt immer froh, die „Haustiere“ nur auf Zeit zu haben.

Welche Tiere habt Ihr schon einmal von der Kinderstube an begleitet? Und habt Ihr schon einmal Erfahrung mit den Aufzuchtssets gemacht?

Liebe Grüße ♥

Leni

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sonnenpower

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Eigentlich sind ja diese herrlichen Maitage mit hochsommerlichen Temperaturen kindertechnisch gesehen Selbstläufer. Die Tür zum Garten steht den ganzen Tag offen, der Wasserschlauch liegt angeschlossen an den Wasserhahn außen am Haus. Mehr braucht es nicht, damit (meine) Kinder über Stunden beschäftigt sind. Aber Sonne und Wasser können noch mehr: nämlich ganz wunderbare Kunstwerke hervorbringen (neben Regenbögen)!

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Das Solarpapier kenne ich noch aus meiner Kindheit; es war bei mir aber schon in Vergessenheit geraten. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, es zufällig in einem kleinen Laden im Dorf gefunden zu haben (man bekommt es aber auch z.B. hier*).

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Ich weiß gar nicht, wer mehr Spaß daran hatte, die Jungs oder ich (wahrscheinlich ich), aber auf jeden Fall waren wir alle sehr experimentierfreudig: von allerlei Blüten und Blättern, über Bausteine, Münzen und Figuren bis hin zu ausgestanzten Papiersternen und auf Folie aufgebrachten Schriftzügen – all das haben wir mit Sonnenkraft aufs Papier gebracht.

Der Sonnendruck funktioniert ganz einfach: man nimmt ein Stück Solarfotopapier aus der schwarzen Folie, legt es mit der blauen Seite nach oben auf ein Stück Pappe oder ein Buch, bestückt es mit Gegenständen, die ihre Kontur hinterlassen sollen und legt es für ein paar Minuten in die Sonne. Das Papier verfärbt sich währenddessen weiß, die Bereiche die abgedeckt sind, bleiben blau. Danach folgt ein Bad (ohne die Gegenstände) in Leitungswasser, um das Foto zu entwickeln. In dieser Zeit, ebenfalls ein paar Minuten, verfärbt sich das Papier satt blau und die Abdrücke bleiben als weiße Schatten zurück. Allerdings sind die scherenschnitthaften Bilder nicht immer ganz scharf, sondern die harten Kanten verschwimmen und geben den Bildern eine wunderbare Aura.

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Es scheint verzaubert zu sein, das Papier. Doch was passiert wirklich? Das Papier wurde mit Ammoniumeisen(III)-citrat und rotem Blutlaugensalz (Kaliumferricyanid), dass in Wasser gelöst wurde behandelt. Unter UV-Licht kommt eine Redox-Reaktion in Gang, nach der das Eisen(II)-Ion mit dem Blutlaugensalz zum Berliner Blau reagiert, einem lichtbeständigen Eisen-Blaupigment. Das sagt zumindest der Chemiker aus unserem Freundeskreis. Für alle, die das jetzt nicht verstanden haben (mir eingeschlossen), bleibt es einfach magisches Papier ;-)!

Ich wünsche Euch noch viele sonnige Tage in dieser Woche!

Liebe Grüße

Leni

 

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