Die Holunderelfe – ein Interview mit Kristin Ritschel

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Also für mich gibt es drei Kategorien von Zeitschriften. Zum einen wären da die Zeitschriften, die bei meinem Friseur oder in den Wartezimmern von Ärzten ausliegen, die Klatschblätter und Modemagazine. Ich freue mich über ihre Anwesenheit, vertreibe mir die Zeit und blättert sehr gerne darin herum, aber sie haben keinen Mehrwert für mich und kaufen würde ich sie mir auch nie. Dann gibt es noch die Zeitschriften, die ich mal kaufe, weil mich ein Thema in dieser Ausgabe gerade interessiert. Mal politisch, mal kulinarisch, oft aber auch etwas ganz anderes. Dann reiße ich die für mich wichtigen Seiten einfach aus und der Rest der Zeitschrift wandert im besten Fall zu meiner Schwiegermutter (als eine Art Lesezirkel), im schlechtesten Fall landet sie im Altpapier. Und dann gibt es noch die dritte Kategorie, in die nur sehr wenige Magazine fallen. Dort hinein gehören die, die so viel Inspiration von vorne bis hinten beinhalten, dass sie (trotz meines Minimalismusbestreben im Haushalt) am Stück und vollständig bei mir bleiben dürfen, weil sie mich auch nach Jahren noch immer wieder erfreuen. Sie haben zeitlose Themen, wollen mir nicht auf Teufel komm raus etwas verkaufen und setzen auf Wissen und gute Inhalte. Und genau das macht diese Zeitschriften so wertvoll. Und rar.

Dem Zufall sei Dank, habe ich vor einem halben Jahr eine dieser richtig guten Zeitschriften kennengelernt. Und da bekanntermaßen geteilte Freude, doppelte Freude ist, stelle ich sie Euch heute vor, die HOLUNDERELFE. Und mit ihr Kristin Ritschel, die Herausgeberin und Frau hinter der HOLUNDERELFE, die ihrer Leidenschaft für altes Wissen, die Natur, Brauchtum und Selbstgemachtem in Eigenregie und Eigenverantwortung weiter trägt. Denn hinter HOLUNDERELFE steht kein großer Verlag, keine Marketingagentur – Kristin macht alles selber. Und ist dabei auch noch super sympathisch, wie ich in unserem Interview erfahren durfte ;-).

Holunderelfe_Kristin Ritschel

Liebe Kristin, zu erst einmal ein Dankeschön, dass Du Dir die Zeit nimmst, uns deine HOLUNDERELFE vorzustellen. Und ein Kompliment: Du hast ein tolles Magazin für und mit kreativen, inspirierenden und fantasievollen Menschen erschaffen.

Was war die Initialzündung für HOLUNDERELFE? Wie kamst Du dazu eine eigene Zeitschrift herauszubringen?

Kristin: Wie das Leben manchmal spielt: Es war einfach Zufall. Der entscheidende Impuls zur richtigen Zeit. Meine Schwiegermutter hatte jahrelang die Zeitschrift „Lavendelschaf“, herausgegeben von Erdmute Marciniak, abonniert. Die Zeitschrift hatte ähnliche Inhalte: Natur, Kräuter und Textil. Als Erdmute ankündigte, aufzuhören, meinte meine Schwiegermutter salopp zu mir: „Wär das nicht was für Dich?“ Ich dachte eine ganze Weile nach. Meinen Job in einer internationalen Kommunikationsagentur hatte ich gerade gekündigt, wollte mich eh neu orientieren, etwas Sinnvolles, Sinnstiftendes machen und unabhängig sein von festen Bürozeiten. Ich habe zwei Kinder und möchte nachmittags für sie da sein. Lieber setze ich mich abends noch einmal an den Schreibtisch. Ein persönliches Treffen mit Erdmute gab den letzten entscheidenden Ruck. Kurze Zeit später gründete ich die HOLUNDERELFE und bin heute sehr froh, diesen Schritt gewagt zu haben!

Wie bist Du auf den Namen gekommen?

Kristin: Der Name soll vor allem Natürlichkeit ausdrücken. Die Natur ist voller unzähliger kleiner und großer Wunder. Das Öffnen einer Knospe, die Farbenpracht der Schmetterlinge, wie die Luft riecht, wenn es zum ersten Mal nach langer Zeit regnet… Irgendwie magisch, oder?! So bin ich auf die Elfe gekommen. Der Holunder mit seinen weißen Blüten, den dunkelroten Beeren und den sattgrünen Blättern kam ganz spontan dazu. Und zusammen ist es die HOLUNDERELFE.

An wen richtet sich die Zeitschrift?

Kristin: Wie der Untertitel sagt, richtet sich die Zeitschrift an Waldfeen, Textilkünstlerinnen und Kräuterweiber, also an Frauen, die möglichst naturverbunden leben. Es sind auch einige wenige Männer unter meinen Abonnenten und ich freue mich sehr über männlichen Zuwachs. Aber es sind doch hauptsächlich Frauen, die sich mit altem Wissen und Handwerkskünsten beschäftigen. Dazu gehört zyklisch zu leben, sich dem Jahreskreislauf anzupassen, das Heilpflanzen sammeln und verwerten, Wolle filzen, spinnen, färben, Mützen stricken, Tücher häkeln oder weben oder andere seltenere Handarbeiten wie das Nadelbinden, Klöppeln oder Körbeflechten. Da gibt es ja ganz viel! Ich möchte dieses Wissen bewahren und den Austausch fördern. Wäre es nicht schön, wenn dieses Wissen und die Erfahrungen von Generation zu Generation weitergegeben werden? Wie früher. Da war das selbstverständlich. Ich finde jeder sollte wissen, welche Pflanzen und/oder Entspannungstechniken bei Kopfschmerz helfen oder wie man schöne Herzensdinge selbst anfertigt. Es ist ein schönes Gefühl, aus natürlichen Materialien Nützliches anzufertigen, also Holz, Blüten, Wurzeln, Blätter, Wolle in ihren unterschiedlichen Verarbeitungsstufen ist ja so vielseitig einsetzbar: filzen, stricken, häkeln, sticken, Nadelbinden, klöppeln, Posamentenknöpfe machen usw. Zaubere einfach Schönes und Nützliches aus den Schätzen der Natur, ohne sie auszubeuten! Das macht zufrieden und glücklich. Ich weiß, das liest man in letzter Zeit überall. Stimmt aber. Weil man etwas mit den eigenen Händen erschafft, an dem man meist sehr lange Freude daran hat. Man weiß die Dinge dann sehr zu schätzen. Eine selbstgestricktes Paar Handschuhe wirft man nicht einfach weg (wie vielleicht eine gekaufte), sondern trägt sie bis sie auseinanderfallen.

Ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren viele neue Zeitschriften auf den Markt gekommen sind. Gerade in den Bereichen Landleben, Entschleunigung und Kreativität. Was macht HOLUNDERELFE besonders?

Kristin: Was die HOLUNDERELFE ausmacht, sind ihre Autoren. Sie schreiben nicht über Dinge, die sie recherchiert haben, sondern teilen ihr Erfahrungswissen. Jeder hat sein Steckenpferd, z.B. eine Handwerkskunst, Heilkräuter oder besondere Orte. In einem bestimmten Bereich haben meine Autoren viele Erfahrungen gesammelt und kennen sich bestens aus. Sie schreiben schlicht über das, was ihr Herz bewegt. Wir möchten unsere Leserinnen und Leser so inspirieren, sich selbst auch (wieder) mehr Zeit für Dinge zu nehmen, die der Seele guttun.

Wer schreibt dort?

Kristin: Frauen und Männer, die genauso ticken wie die Leserinnen und Leser. Jeder kann mitmachen und sich beteiligen. Ich sehe die HOLUNDERELFE als Gemeinschaftsprojekt! Vermisst eine Leserin/ein Leser ein bestimmtes Thema, darf sie/er gern selbst darüber schreiben und die Zeitschrift so mitgestalten. Oft setzt ein neuer Impuls viele andere neue Ideen frei! Wichtig ist eigentlich nur, dass das Beitragsthema zur HOLUNDERELFE passt.

Gibt es feste Autoren oder wechseln die Autoren von Ausgabe zu Ausgabe?

Kristin: Es gibt ein paar feste Autoren, die bei jeder Ausgabe dabei sind. Und es kommen mit jeder Ausgabe neue Autoren dazu, die nur einmal oder ab und zu einen Beitrag verfassen. Das ist eine gute Mischung!

Wie ergeben sich die Themen und wie gehst Du bei der Auswahl der Beiträge vor?

Kristin: Ich als Herausgeberin gebe für jede Ausgabe ein Oberthema vor, wie beim aktuellen Heft: Kopfsache. Meine Autoren machen daraufhin konkrete Beitragsvorschläge, die meistens allesamt großartig sind. Ich schaue, dass die Themen gut zusammenpassen und dass es keine Dopplungen gibt. Dann legen die Autoren los und ich vereine die Beiträge schließlich zu einem Gesamtwerk.

In der HOLUNDERELFE gibt eine Rubrik, in der Du interessanten Frauen die Frage stellst wofür ihr Herz schlägt. Wofür schlägt Dein Herz?

Kristin: Mein Herzensprojekt ist die HOLUNDERELFE! Und ich lasse mich selbst gern von ihr inspirieren. Meine Freizeitmomente widme ich vor allem Nadelkünsten: Sticken, Nähen, Häkeln. Mit meinen Kindern kann ich mich in anderen kreativen Bereichen austoben. Wir machen Stempel selbst, filzen, malen, zeichnen, kneten, legen Blumenmandalas, schöpfen Papier. Ach, manchmal könnten die Tage echt länger sein als 24 Stunden.

Was erwartet die Leser in der aktuellen Frühlingsausgabe?

Kristin: Es ist eine wahre Wonne, die Zeitschrift durchzublättern. Meine Autoren haben beim Oberthema KOPFSACHE in so unterschiedliche Richtungen gedacht. Es sind wieder sehr wertvolle und inspirierende Beiträge zusammengekommen. Die Ausgabe enthält viele Anleitungen, so dass es unseren Leserinnen und Lesern im Frühling und Sommer garantiert nicht langweilig wird: einen Hut filzen, Posamentenknöpfe anfertigen, eine Frühlingsmütze und/oder ein Stirnband stricken, ganze Felle filzen, ein Lammfell gerben, Notizbücher selbst binden, Filzen mit Kindern sowie Upcycling- und Patchwork-Projekte. Eine Jahreskreisvorlage zum Selbstausfüllen ist auch dabei und wunderschön geschriebene Kopfsache-Texte, wo es um positives Denken geht und die Frage beantwortet wird, wie das Gedankenkarrussell mal wieder zur Ruhe kommt.

Liebe Kristin, vielen lieben Dank für das Interview!

Und wenn Ihr jetzt Interesse an der HOLUNDERELFE bekommen habt: sie erscheint 4 x im Jahr, immer passend zu den jeweiligen Jahreszeiten. Auf www.holunderelfe.com findet Ihr weitere Einblicke und Bezugsmöglichkeiten.

 

Liebe Grüße ♥

Leni

5 Gedanken zu “Die Holunderelfe – ein Interview mit Kristin Ritschel

  1. Ramona Hortmann

    Dankeschön für diesen Blogpost. …..kenne noch das Lavendelschaf und bin ganz begeistert von der neuen Zeitschrift. …Habe direkt abonniert. …Danke auch für deinen tollen Blog….lese jeden Post…..Liebe Grüße Ramona Hortmann , eigentlich stille Leserin.

    Gefällt 1 Person

    • Liebe quernaht, die HOLUNDERELFE ist im Bahnhofsbuchhandel erhältlich, also an allen Buch- und Zeitschriftenhändlern in Bahnhöfen und Flughäfen. Du kannst sie aber auch einfach online bestellen: http://www.holunderelfe.com. Hier gibt es nicht nur das aktuelle Heft, sondern auch das Abo, Geschenk-Abo und fast alle bisherigen Ausgaben. Herzlichst, Kristin von der HOLUNDERELFE

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Holunderelfe ...so viel schön... - °the lowredeyes exp.°

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