Wie (und warum) ich Samhain und Halloween mit meinen Kindern feiere

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Im keltischen Jahreslauf endet am 31. Oktober nicht nur der Sommer, sondern auch das Jahr (Samhain). In der Nacht des Übergangs zwischen altem und neuen Jahr treffen Ewigkeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinander, der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Toten löst sich auf. Früher war es daher Brauch, die Zimmer zu putzen, das Haus (und den Weg dorthin) zu erleuchten und Speis und Trank für die Verstorbenen aufzustellen. Einen Tag zu Ehren der Toten – das ist nicht nur ein heidnischer Brauchtum, sondern auch viele andere Kulturen feiern einen solchen Tag. Denken wir nur an den „Dia de Muertos“, dem farbenfrohen mexikanischen Volksfest zu Ehren der Toten, das amerikanische (recht kommerzielle) „Halloween“ (was ja wiederum auf das keltische Samhain zurückgeht) oder unser christliches Allerheiligen und Allerseelen. Sie haben alle gemein, dass wir uns mit den Verstorbenen verbunden fühlen, um sie trauern, uns an sie erinnern. Es ist aber auch ein Tag, um über den Tod nachzudenken, zusammen mit den Dingen, die uns Angst machen. Der Gedanke, dass wir jeden (früher oder später) verlieren und selber sterben werden, ist erst einmal schrecklich. Das wir dieses Thema also weit von uns schieben, ist kein Wunder. Umso härter trifft es uns, wenn wir gezwungen werden darüber nachzudenken, eben dann, wenn einer unserer Lieben stirbt oder wir selber erkranken. Dabei kann uns die Gewissheit über das unweigerliche Ende unseres Lebens helfen den Sinn unseres Daseins zu finden und unser Blick zu schärfen auf das, was uns im Leben wichtig ist.

Im Sommer fanden meine Jungs eine tote Hummel im Garten. Ich hatte sie auch gesehen, ging aber weiter, ohne mir Gedanken über sie zu machen. Die Jungs jedoch hoben sie vorsichtig auf, betrachteten sie von allen Seiten, gruben ihr ein Grab und legten sie hinein. Einer von ihnen verdrückte sogar ein kleines Tränchen, als sie der Hummel ein Mini-Kreuz aus zwei Stöckchen bauten und Blumen für das Grab pflückten. Kurze Zeit später philosophierten wir über den Tod und das Leben (Kinder sind so unglaublich weise auf ihre Art). Ich weiß auch nicht, wie man im Allgemeinen am besten mit Kindern über den Tod spricht (ist doch unser aller Vorstellung vom Tod und das, was danach vielleicht kommen mag, viel zu verschieden). Aber ich denke, dass man es ganz intuitiv richtig macht, wenn der Zeitpunkt dafür oder die Gelegenheit gekommen ist (und das ist meistens recht unerwartet). Ich glaube wichtig ist, dass man Tod, Sterben oder auch Krankheit nicht tabuisiert. Weder für sich, noch für Kinder. Das bedeutet nicht, dass das „memento mori“ zu einem ständigen Begleiter werden soll. Aber dieser letzte Tag im Oktober (oder der erste Tag im November) bietet die Möglichkeit, sich einfach einmal darauf zu besinnen. Auf die Vergänglichkeit. Und der Zeitpunkt dafür ist kein Zufall: zeigt uns doch die Natur jedes Jahr aufs Neue den ewigen Kreislauf des Lebens, das Erwachen, die Erneuerung, die Geburt im Frühling und das Vergehen, Sterben, das zur Ruhe legen am Ende des Herbstes.

Halloween ist für meine Kinder, je älter sie werden, immer mehr ein Thema. Seit einigen Jahren klingeln an Halloween Kinder aus der Nachbarschaft bei uns und verlangen „Süßes oder Saures“ und seit meine zwei größeren Kinder in der Schule sind, bekommen sie Einladungen zu Halloween-Partys. Trotz alledem, versuche ich doch diesem Tag noch etwas anderes abzuringen als nur den „kommerziellen“ Aspekt oder das „geplante Gruseln“, ohne aber den Tag zu „ernst“ werden zu lassen. Wir haben für uns ein paar eigene Rituale gefunden, entlehnt von keltischen Samhain und dem amerikanischen Halloween:

  • die Jungs dürfen sich verkleiden, wenn sie mögen (und sie mögen das eigentlich immer). Dieses Jahr steht das Zauberer-Kostüm hoch im Kurs 😉
  • wir backen zusammen Halloween-Kekse (oder haben sie bereits gebacken und verputzen sie zu warmen Kakao oder Apfelsaft).
  • wir stellen Kerzen ans Fenster und Laternen auf Balkon und Terrasse, sobald es dunkel wird.
  • vor einigen Jahren habe ich ein Familienstammbuch angelegt, mit vielen Bildern und einer Art „Steckbriefen“ über jeden Ahnen. Dieses Buch schauen wir uns gemeinsam an.
  • wir höhlen Kürbisse aus und illuminieren sie.
  • auf unserem Jahreszeitentisch stehen heute Familienfotos, Fotos von bereits verstorbenen Angehörigen, Äpfel (als „Frucht des Lebens“ ein besonders Symbol für Samhain) und frische Blumen.
  • den Esstisch schmücken wir ebenfalls mit Äpfeln, Heidekraut und Kerzen. Zum Abendessen gibt es  – natürlich Kürbissuppe!
  • danach machen wir einen Fackelspaziergang in der Dunkelheit. Besonders schön sind diese Abende, wenn es draußen stürmt oder nebelig ist – das verstärkt das Mystische, was diese Nacht besitzt.
  • Zuletzt lesen wir eine Geschichte zusammen (oder mehrere Kapitel eines Buches). „Harry Potter“, „die kleine Hexe“, „für Hund und Katz ist auch noch Platz“ oder auch gerne Märchen wie „Hänsel und Gretel“, je nachdem wer zu hört (oder schon eingeschlafen ist).

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Ich wünsche Euch einen schönen 31. Oktober, einen schönen Reformationstag, happy Halloween und einen magischen Samhain!

Liebe Grüße

Leni

 

3 Gedanken zu “Wie (und warum) ich Samhain und Halloween mit meinen Kindern feiere

  1. Sehr schöne Ideen und Anregungen!
    Ich konnte gestern Abend nur völlig überrascht ablehnen, als geklingelt wurde und „süßes oder saures“ gefordert wurde. Mir geht dieses gebettel irgendwie total ab. Mit St. Martin und gesungenen oder gespielten Darbietungen kann ich doch viel mehr anfangen!

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  2. Hallo,

    Die kleine Hexen hören wir auch häufiger mal als Hörspiel.
    Bei uns sind ansonsten noch „Zwei kleine wilde Hexen“ von Cornelia Funke sehr beliebt. Vielleicht wäre das ja noch eine schöne Ergänzung für eure Geschichtenzeit. 😉

    Liebe Grüße
    Sabrina

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